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Zeitzeugen 2025/2026

Einweihung der Gedenkstele für Sally Simons – Gemeinsam gegen das Vergessen

Sally Simons (3).jpegAm 2. Juli 2026 wurde auf dem Friedhof in Quadrath-Ichendorf feierlich eine Gedenkstele für den Holocaust-Überlebenden und späteren Ehrenbürger Sally Simons eingeweiht. Die bewegende Gedenkveranstaltung wurde vom Verein für Geschichte und Heimatkunde Quadrath-Ichendorf 1985 e.V. organisiert und von zahlreichen Gästen aus Politik, Gesellschaft sowie Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Bergheim begleitet.

Sally Simons überlebte als einziger seiner fünfköpfigen Familie die nationalsozialistische Verfolgung und mehrere Konzentrationslager. Im Dezember 1941 wurde er gemeinsam mit seiner Frau, seinem Stiefsohn und weiteren Angehörigen deportiert. Schülerinnen und Schüler der 8.4. sowie des Zeitzeugenkurses der Q1 trugen Auszüge aus den Briefen und Erinnerungen von Sally Simons vor, um seinen schrecklichen Erlebnissen eine Stimme zu verleihen und ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.

So schilderte Sally Simons in einem Brief an seine Nichte Herta aus dem Jahr 1946 eindringlich den Abschied von seinen Angehörigen am Sammelpunkt in Köln-Deutz:

„Da standen die Menschen mit ihren Koffern und Rücksäcken. Alte und Kinder, mit Angst in den Augen – wo geht es hin mit uns? Dazwischen die SS mit aufgepflanztem Bajonett. Als wir Abschied nahmen, hatten wir das Gefühl, dass es für uns kein Wiedersehen mehr geben wird.“

Die Deportation führte zunächst nach Riga. Dort erlebte Sally Simons die Ermordung zahlreicher Menschen und verlor nahezu seine gesamte Familie. Über seine Zeit in den Lagern schrieb er später:

„Was ich dort mitgemacht und gesehen habe, was die Bestien von SS und SD dort verübt haben, glaube mir, es genügt fürs ganze Leben. Von morgens bis abends: erhängen, erschießen, vergasen, totschlagen, verhungern. Dass ich selber noch am Leben bin, ist mir selbst ein Wunder.“

Auch in seinen späteren Aussagen beschrieb er die unmenschlichen Bedingungen im Lager Salaspils. Dort mussten die Häftlinge bei eisigen Temperaturen, unzureichender Ernährung und ständiger Gewalt ums Überleben kämpfen. Besonders erschütternd sind seine Worte:

„Die Verpflegung in Salaspils war so, dass sie eigentlich nur die Vernichtung bezwecken konnte. Es gab eine Wassersuppe und 150 Gramm Brot.“

Durch ihre Beiträge machten unserer Schülerinnen und Schüler deutlich, welche Folgen Ausgrenzung, Antisemitismus und Menschenverachtung haben können und wie wichtig es ist, Verantwortung für eine demokratische und menschenwürdige Gesellschaft zu übernehmen.

Für einen weiteren, besonders bewegenden musikalischen Rahmen, sorgte der jüdische Violinist Herr Eppstein. Er spielte mehrere jüdische Lieder, darunter ein Werk, das von einem erst 14-jährigen Häftling in einem Konzentrationslager komponiert worden war. Nur zwei Tage nach der Entstehung des Liedes wurde der Junge ermordet. Die Musik verlieh dem Gedenken eine besondere emotionale Tiefe und erinnerte eindringlich an das Schicksal der unzähligen jungen Opfer des Holocaust.

Die Atmosphäre während der gesamten Veranstaltung war von großer Anteilnahme geprägt. Viele Anwesende waren sichtlich bewegt. Gemeinsam wurde deutlich, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wachzuhalten und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen.

 


Zeitzeugeninterview in Hamburg für eine AR-Zeitzeugen-App der ARD

ost_west_app_quelle_wdr (3).jpgDie Schüler Sebastian Przystanski und Nico Seifert vom Zeitzeugenkurs der Q1 nahmen am 26. März 2026 in Hamburg am Dreh eines Zeitzeugeninterviews mit dem WDR teil.

Das Interview wird in die neue AR-Zeitzeugen-App der ARD zum Thema "Deutschland Ost/West" integriert. Lest hier den Erfahrungsbericht der beiden:

25. März 2026

Die Reise nach Hamburg begann in Köln, wo wir um 10:14 Uhr in den ICE nach Hamburg einstiegen. Nach der Ankunft ging es für uns zunächst ins Hotel, um einzuchecken und kurz anzukommen.

Wir konnten den restlichen Tag noch sinnvoll nutzen, um die Stadt Hamburg zu erkunden. Dabei sammelten wir erste Eindrücke von Hamburg . Insgesamt war es ein ereignisreicher Start in die Reise.

26. März 2026

Am zweiten Tag lernten wir beim Frühstück die Mitarbeiter des WDR sowie eine weitere Teilnehmerin aus Sachsen-Anhalt kennen. Nach einer kurzen Besprechung zum Tagesablauf bereiteten wir uns auf das Zeitzeugeninterview vor. 

Gegen 11 Uhr machten wir uns zusammen auf den Weg zu einem besonderen Ort, dem "Grünen Bunker" inm Stadtteil St. Pauli, in dem sich das Aufnahmestudio befand. Die Location war historisch sehr interessant und gleichzeitig beeindruckend gestaltet. Weil von dort am 26. Dezember 1952 die erste Sendung der ARD Tagesschau gesendet wurde, herrschte dort eine besondere Atmosphäre.

Vor Ort durften wir zunächst beim Interview mit dem Zeitzeugen Uwe zuschauen. Dabei hatten wir die Möglichkeit, uns Notizen zu machen und eigene Fragen zu entwickeln. Uwe ist 84 Jahre alt und war früher als Polizist an der innerdeutschen Grenze zur Zeit der DDR tätig. In seinen Erzählungen schilderte er seine Erfahrungen sehr detailliert und teilweise auch emotional, wodurch seine persönliche Verbindung zu diesem Thema deutlich wurde.

Hamburg.jpegNach einer kurzen Pause und einer gemeinsamen Besprechung unserer Fragen durften wir anschließend selbst aktiv werden. Zunächst wurde unsere Stimme aufgenommen, bevor wir die Fragen auch vor der Kamera stellten. Das gesamte Interview dauerte fast dreieinhalb Stunden, was für alle Beteiligten, insbesondere für Uwe, eine große Anstrengung war. Dennoch nahm er sich viel Zeit und beantwortete unsere Fragen ausführlich und engagiert.

Besonders positiv blieb das anschließende Gespräch in Erinnerung. Uwe betonte, wie wichtig es ihm ist, junge Menschen über die Geschichte der deutschen Teilung zu informieren, und zeigte sich sehr dankbar für unsere Interesse.

Nach dem Abschluss der Aufnahmen machten wir uns gemeinsam auf den Weg zurück zum Bahnhof, wo wir uns verabschiedeten und gegen 16:45 Uhr die Rückreise antraten.

Der Tag war insgesamt sehr lehrreich und eindrucksvoll und wird uns definitiv in Erinnerung bleiben. Wir möchten uns bei der Schulleitung und beim WDR bedanken, weil sie uns diese Erfahrung ermöglicht haben.

Sebastian und Nico


Unsere Schülerinnen und Schüler auf der Didacta: Ein stolzer Moment für den Zeitzeugenkurs der Q1

Collage Didacta Zeitzeugen 2026.pngDie Schülerinnen und Schüler des Zeitzeugenkurses der Q1 wurden vom WDR auf die Didacta eingeladen, um von ihren Erfahrungen mit der AR-APP „1945“ zu berichten. Vor Ort führten sie ein Interview mit Marspet Movsisyan und berichteten engagiert und reflektiert über ihre Eindrücke. Dabei brachten sie zahlreiche konstruktive Verbesserungsvorschläge ein.

Vor großem Publikum haben unsere Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen und Meinungen souverän präsentiert und damit einen wichtigen Beitrag zur stetigen Optimierung digitaler Zeitzeugenangebote geleistet – Angebote, die zunehmend an Bedeutung gewinnen, da viele Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit nicht mehr unter uns sind.

Außerdem stellte der WDR sein neues Projekt vor: die Entwicklung einer App zur DDR-Geschichte. Wir hoffen sehr, dass wir auch hier aktiv mitwirken zu können.

Wir sind unglaublich stolz auf unsere Schülerinnen und Schüler, die mit ihrem Engagement und ihrer Kompetenz ein herausragendes Beispiel für zeitgeschichtliche Bildung in digitaler Form gegeben haben! 

Stadtarchiv Bergheim zu Gast im Zeitzeugenkurs der Q1

Zeitzeugen 25 26 (3).jpegIm Rahmen des Zeitzeugenkurses der Jahrgangsstufe Q1 durfte die Gesamtschule
Bergheim kürzlich einen besonderen Besuch begrüßen: Das Stadtarchiv Bergheim
war an unserer Schule zu Gast und ermöglichte den Schülerinnen und Schülern
einen spannenden Einblick in die Arbeit mit historischen Originalquellen.

Der Zeitzeugenkurs beschäftigt sich derzeit intensiv mit Projekten, u.a. zur
Nachkriegszeit in Bergheim. Ziel ist es, Geschichte nicht nur aus Schulbüchern
kennenzulernen, sondern direkt mit authentischen Dokumenten aus der damaligen
Zeit zu arbeiten. Passend dazu brachte Stadtarchivarin Lena Delbach originale
Quellen aus dem Archiv mit, die in Kurrent-Schrift und Sütterlin verfasst waren
– Schriften, die für heutige Leserinnen und Leser eine echte Herausforderung
darstellen.

Zeitzeugen 25 26 (2).jpegMit viel Fachwissen und Engagement gab Lena Delbach den Schülerinnen und
Schülern hilfreiche Tipps und Tricks an die Hand, um die alten Handschriften zu
entziffern. Unsere Schülerinnen und Schüler arbeiteten sich mit großem Eifer
durch die Dokumente. Schnell zeigte sich: Mit zunehmender Übung fiel das Lesen
der Quellen immer leichter, und erste Erfolgserlebnisse stellten sich ein. Die
Arbeit mit den Originalen machte Geschichte greifbar und sorgte für großes
Interesse und Motivation im Kurs.

Der Besuch des Stadtarchivs war eine wertvolle Bereicherung für den
Zeitzeugenkurs und unterstützte die projektorientierte Arbeit zur lokalen
Nachkriegsgeschichte in besonderer Weise.

Wir bedanken uns herzlich beim Stadtarchiv Bergheim, insbesondere bei Lena
Delbach, für die engagierte Unterstützung und die gelungene Kooperation.


Virtueller Besuch historischer Schauplätze - Schüler testen VR-Brillen mit dem WDR

Bild 1.jpgAm Montag, den 22. September 2025, durfte der Projektkurs Zeitzeugen der Q1 unserer Schule ein ganz besonderes Erlebnis erfahren: Der Westdeutsche Rundfunk war mit einem Moderator und einem Kamerateam zu Gast in Quadrath-Ichendorf.

Im Mittelpunkt stand die Vorstellung von 360°-Videos, die wir mithilfe von VR-Brillen ansehen konnten. Die Themen der beiden Videos waren ernst und von großer historischer Bedeutung: "INSIDE AUSCHWITZ - Das ehemalige Konzentrationslager" sowie "HITLERS ELITESCHÜLER - Die NS-Ordensburg Vogelsang". 

Die Erfahrung mit der VR-Brille war für viele von uns etwas völlig Neues. Man konnte sich in alle Richtungen drehen und hatte das Gefühl, mitten in der jeweiligen Umgebung zu stehen. So wurde Geschichte nicht nur erzählt, sondern direkt erfahrbar. Besonders bewegend war, dass auch Zeitzeug:innen gefilmt wurden. Es wirkte so, als säßen sie uns direkt gegenüber und erzählten ihre persönliche Geschichte – eine Nähe und Intensität, die sehr eindrucksvoll war. Durch die immersive Darstellung wurde deutlich, wie prägend die Erfahrungen der Menschen in jener Zeit waren und welche Spuren sie hinterlassen haben.

Der Moderator Marspet Movsisyan führte uns durch die Doppelstunde und sorgte für eine angenehme Lernatmosphäre. Das Kamerateam begleitete die Veranstaltung, filmte den Ablauf und führte Interviews mit einzelnen Schülerinnen und Schülern. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit war die ungewohnte Situation mit Kamera und Mikrofon schnell kein Problem mehr, da alle Beteiligten sehr freundlich und respektvoll auf uns eingingen.

Unsere persönlichen Erfahrungen mit mit den VR-Brillen war überwiegend positiv. Für uns bot sich die Gelegenheit, Geschichte auf eine moderne und eindrucksvolle Weise zu erleben. Die Qualität der technischen Umsetzung war insgesamt in Ordnung, auch wenn kleinere Verbesserungen denkbar gewesen wären. Wir danken dem WDR und dem Moderator Marspet Movsisyan herzlich für ihren Besuch bei uns. Für den Kurs war es eine wertvolle und lehrreiche Erfahrung, die uns nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird.

Der WDR strahlte den Bericht am Freitag, den 10.11.2025 um 19.30 Uhr in der WDR-Lokalzeit aus: https://www1.wdr.de/lokalzeit/fernsehen/koeln/wdr-bringt-360-grad-bilder-in-die-schule--100.html

Die VR-Brillen sind über die Bildungsmediathek NRW ausleihbar.